Das Urteil — News aus dem Futur

18. Oktober 2018

Der Angeklagte wird wegen schw­er­er Kör­per­ver­let­zung zu zwei Jahren Fahrver­bot mit ein­herge­hen­der Sicherungsver­wahrung verurteilt. Vor Erteilung der Fahrerlaub­nis müssen eine drei­monatige Simul­tan­schu­lung und ein dig­i­taler Idio­ten­test absolviert wer­den. Trotz des klaren Urteils sind sich Richter und Staat­san­walt nicht völ­lig sich­er, ob nicht doch ein schw­er­wiegen­des Fehlurteil gefällt wor­den ist. Auf der Anklage­bank saß: ein selb­st­fahren­des Auto, das bei einem Auswe­ich­manöver einen Pas­san­ten schw­er ver­let­zt hat. Dem Besitzer des Autos, der nicht ein­greifen kon­nte, war kein Vor­wurf zu machen, dem Her­steller eben­so wenig und der Liefer­ant der lizen­sierten und zer­ti­fizierten Soft­ware kon­nte sich wie der Besitzer darauf berufen, am Unfallgeschehen über­haupt nicht direkt beteiligt gewe­sen zu sein.

Klingt kafkaesk, kön­nte aber in naher Zukun­ft Real­ität wer­den. Gibt es bis dahin so etwas wie eine Maschinenethik? Kann kün­stliche Intel­li­genz auch ler­nen, zwis­chen Gut und Böse, Falsch und Richtig zu entschei­den? Kann eine intel­li­gente Mas­chine Empfind­un­gen haben, emo­tion­al wer­den, moralisch han­deln? Ein com­put­ergestützter Robot­er kann schneller arbeit­en als jed­er Men­sch, kann den Welt­meis­ter im Schach schla­gen und sich schneller selb­st pro­gram­mieren als der beste IT-Spezial­ist es je kön­nte. Und den­noch bleibt er eine Mas­chine, ohne Gefühl, ohne Emo­tio­nen oder gar Moral. Doch zurück zu unserem Angeklagten. Für Wis­senschaft und Forschung, Poli­tik und Wirtschaft und nicht zulet­zt für die Jus­tiz sind es drän­gende Fra­gen, die ein­er baldigen Antwort bedür­fen.